Koller’s Misere

Zum Toben kam das Wörtherseestadion beim Fußball-Test-Ländermatch gegen WM-Starter Uruguay nicht. Zwar war die erste Hälfte alles andere als enttäuschend (für Österreichische Verhältnisse wohlgemerkt), aber den Ansprüchen der Kärntner Zuschauer schien dennoch nicht gerecht geworden zu sein, wie ÖFB-Teamchef Marcel Koller bemängelte.

Er vermutete physische Gründe der Fans, genauer gesagt an deren Stimmbänder. In Kärnten sei man Fußball auf so hohem Niveau nicht gewohnt, daher hätten die Zuschauer wohl ihre Stimmbänder schonen wollen. Zwar wünscht man sich aufgrund des Kärntner Dhiallegts in anderen Teilen Österreichs häufiger, dass die Stimmbänder geschont würden, aber was sport-patriotischen Enthusiasmus betrifft, ist die Ursache kaum in den Hälsen der ungenüglichen Fans zu finden. Wahrscheinlicher ist schon eher die in Österreichischer Fußballerseele manifestierte Ernüchterng. Einerseits darüber, dass es in den kommenden Länderspielen aufgrund der abermals verpassten WM-Qualifikation wiedermal um die goldene Ananas geht, ganz im Gegensatz zu unseren Deutschen, Schweizer und Italienischen Nachbarn. Andererseits vermutlich darüber, dass nach den 90 Minuten Rot-Weiß-Rot gegen Himmelblau wieder Tristesse auf das Kärntner Bundesligagrün einkehren wird. Dann lautet nämlich die nächste Partie RZ Pellets WAC gegen FC Admira Wacker Mödling, was bedeutet, dass man Duelle wie Alaba gegen Suarez schmerzlich vermissen wird, wenn Falk und Windbichler um das runde Leder kämpfen.

Während man sich fragt, wie die in die Vereinsnamen eingebundenen Firmen, was sich in Österreich ausufernder Popularität erfreut (wie etwa beim oben genannten Heimteam), auch nur den geringsten Werbewert aus dem regelmäßigen Grottenkick ziehen, grinst von ganz oben das Rote-Bullen-Bataillon, wohl wissend ob des gigantischen Punktepolsters auf den bedauernswerten Rest der Fußballkomödianten. Und obwohl die Taurin-Truppe kürzlich einige Achtungserfolge verbuchen konnte, darunter ein für unmöglich gehaltener Testspielerfolg gegen die aktuelle bajuvarische Weltmach aus München (man möge sich davor hüten, diese Partie überzubewerten), sollte man sich hierzulande nicht blenden lassen von einer einzigen geldgepanschten Fusballfiliale (deren attraktive Darbietungen keineswegs zu verachten sind), denn die allgemeine Qualität der hiesigen Kickergilde wird das auf Dauer nur schwerlich aufwerten. Mit Nichten sind mir Beispiele bekannt, bei denen Monopolarität zur Stärkung der Konkurrenz beitrug, was letztlich auf das Salzburger Offensivensemble zurückfallen könnte. Denn um künftig auch international zu bestehen, bedarf es dauerhaft hoher Anforderungen in der nationalen Liga, sowie anderer Teams, die in der Lage sind, permanent Druck auf die scheinbar für Wals-Siezenheim gepachtete Tabellenspitze auszuüben.

Sich daran zu erfreuen wüsste sicherlich auch Alpen-Überläufer Koller, der sich in Anbetracht der Abhängigkeit von Legionärskickern á la Junuzovic oder Harnik durchaus Kopfzerbrechen machen dürfte, wen er denn aus heimischer Liga wagt, im Nationaltrikot zu präsentieren, ohne dass ihm unsere Nationalfarben vor lauter Schamgefühl wechselweise zu Gesichte steigen.

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