Ta(u)boga vogelwild

Und täglich grüßt der Taboga. Was den meisten Menschen bis vor einigen Monaten überhaupt kein Begriff war und nicht wenige sogar für ein Pokémon hielten, verbinden nun nicht nur Sportbegeisterte geradewegs mit dem Wettskandal, welcher seit längerer Zeit die Sportgazetten auf Trab hält. Nach etlichen Sequenzen medialer Teilwahrheiten und öffentlicher Kaffeesatzleserei  meldete sich jetzt der Hauptakteur des Verwirrspiels und nunmehr Ex-Fußballprofi Dominique Taboga eigens in einem Exklusivinterview auf Servus TV zu Wort.

Während er sich bei Erklärungsversuchen seiner Schandtaten um Kopf und Kragen redete, vereinnahmte aber weder seine aktuell schlechte psychische Verfassung, (alles andere wäre recht verwunderlich) noch die Erkenntnis, dass Schwarzgeldzahlungen im (Profi-)Fußball durchaus üblich sind, meine Aufmerksamkeit. Nein, vielmehr war es die Naivität und offensichtliche Verblendung der Realität Tabogas, gepaart mit unverschämter Arroganz, die mich in Rage versetzte. Tatsächlich versuchte er unverblümt, und das trotz der Unabdingbarkeit seiner Taten, in die Opferrolle zu schlüpfen, indem er seine „missliche“ Lage zu Beginn seiner Profikarriere schilderte, welche ihn dann dazu bewogen haben soll, Bestandteil der dunklen, augenscheinlich von Albanien aus koordinierten Machenschaften zu werden. Der Ex-Kapitän des SV Scholz Grödig (welchem fortwährend als furioser Aufsteiger positive Aufmerksamkeit zuteil wird) habe als 23-Jähriger beim DSV Leoben mit 1.200€ Fixgehalt pro Monat exklusive 600€ Siegprämie sozusagen „auskommen“ müssen, dazu war seine Wohnung und sein Auto zu finanzieren. Unabhängig der Tatsache, dass Leoben alles andere als ein teures Pflaster am Immobilienmarkt zu verstehen ist, so stelle ich mir die Frage, wie Dominique Taboga zu jenem Zeitpunkt sowie auch heute den Lebensstandard eines gewöhnlichen 23-Jährigen hierzulande einschätzt. Obwohl sich Statistiken diesbezüglich meiner Kenntnis entziehen, wage ich zu behaupten, dass eine Vielzahl an Mitte-Zwanzigern nicht im Besitz eines eigenen Vehikels ist, sondern gezwungen ist, sich am Weg zur Arbeit auf einen Drahtesel zu schwingen oder gar in den Genuss kommt, frühmorgendlich vollgepackte Öffis in Anspruch zu nehmen. Überdies konträr im Leben eines „Normalos“ zur Scheinwelt Tabogas’s  ist, dass in aller Regel ein handelsüblicher Tag am Arbeitsplatz oder an der Uni folgt, was zwar phasenweise sicher auch Spaßpotenzial beinhaltet, nie und nimmer aber mit dem Privileg zu vergleichen ist, sein Hobby zum Beruf zu machen und damit bei nicht allzu schlechtem Karriereverlauf sogar unverschämte Mengen an Geld zu scheffeln.

Völlig irrelevant, in welcher Quantität die Kontomästung im Falle Taboga’s geschah (illegal erhaltene Summen selbstverständlich ausgeschlossen), ob er sich mit seinem Kickersalär eine goldene Nase verdienen konnte, für zwei warme Mahlzeiten am Tag dürfte es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gereicht haben. Wie es aktuell um das Festgeldkonto des möglichen Häftlings in Spe steht, ist schwer abzuschätzen, schließlich betrugen die Schulden an die vermeintlichen Strippenzieher laut eigener Aussagen ab einem gewissen Zeitpunkt mehr, als die Gewinne etlicher Spielmanipulationen bzw. Manipulationsversuche.

Entschieden dringlicher als der Kontostand dürfte Taboga ohnehin das persönliche Familienglück beschäftigen. Wie er bekundete, stand eine Ehescheidung im Raum, da seine Frau dubiose Geldtransfers für Ausgaben für eine Affäre hielt. Noch präkerer wurde die Lage, als der angeprangerte Familienvater, der im Zuge von Erpressungsversuchen zeitweilen auch körperlich angegriffen worden sein soll, begann, Suizidgedanken zu hegen und gar einen Abschiedsbrief verfasste. Eine folgenschwere Handlung, die Frau Taboga glücklicherweise zu vereiteln wusste, so zumindest lauten die Essenzen des TV-Interviews, deren Wahrheitsgehalt nicht zu unterlegen ist, welchen ich aufgrund der Ernsthaftigkeit der Inhalte aber auch nicht wagen möchte, anzuzweifeln.

Tauboga, Fast-Namensvetter des Fußbalheurs aus der Japanischen Anime-Welt, ist übrigens ein Vogelpokémon, dessen Vor- und Weiterentwicklungsstufe Taubsi bzw. Tauboss heißen. Vogelwild sind passenderweise dazu auch diverse Beschuldigungen und Beteuerungen, die den Wettskandal am roten Faden durch die Wintermonate gen Frühling manövrieren. Wahr oder gelogen, rechtmäßig oder illegal, die Aussagen des durch’s Dorf Getriebenen sowie anderer Akteure des Manipulationsharakiri sind undurchsichtig und mangeln fundamental an Glaubwürdigkeit. Wer letzten Endes für welche Verbrechen verurteilt wird, obliegt dem ob der Komplexität des Lügengestrüpps wenig beneidenswerten Richter. Für die Allgemeinheit der Menschen, insbesondere für ihren sportbegeisterten und interessierten Anteil, bleibt zu hoffen, dass den Schuldigen ihre gerechte Strafe zugeführt wird. Trotz allem Ärger und der großen Enttäuschung von sportlichen Vorbildern jedoch mit dem Vorbehalt, dass die physische Gesundheit und vor allem das Leben der Beteiligten außer Gefahr bleibt, was in der Vergangenheit allem Anschein nach nicht durchwegs gewährleistet war.

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