Nur ein weiterer Kommentar zur Causa Hoeneß

Nach drei ereignisreichen Tagen der Beweisführung, die für die unwissende Masse einige Überraschungen bereithielt, fiel am 4. Tag das Urteil in einem Gerichtsverfahren, das nur an den wenigsten unwissentlich vorübergegangen sein dürfte. 3 Jahre und 6 Monate Haftstrafe lautet der Preis, den Uli Hoeneß für die stolze Summe von 28,5 Mio. Euro an hinterzogenen Steuern zu bezahlen hat. Für einen Paukenschlag sorgte aber nicht die Urteilsverkündung, sondern die darauffolgende Pressemitteilung auf der Homepage des FC Bayern München, dem Lebenswerk des Angeklagten, in der er selbst bekanntgibt, die Haftstrafe anzuerkennen und nicht wie erwartet, in Revision zu gehen.

Der Steuerprozess lässt nicht nur die Meinung von Anklage und Verteidigung, unter der richtenden Hand der Justizia, weit auseinandergehen, sondern treibt auch außerhalb des Landesgerichts ll in München, bis in weite Entfernungen vom Epizentrum Fußball-Deutschlands Keile ins Zwischenmenschliche. Uli Hoeneß polarisiert, das war schon immer so und nun umso mehr. Gut so, schließlich muss jeder seine Meinung zum Ausdruck bringen dürfen, Kritik äußern dürfen, sich echauffieren dürfen. Was mir aber zutiefst widerstrebt, ist die öffentliche Hetzjagd, niveaulose Anprangerung, unreflektierte, undifferenzierte Verurteilung eines Menschen, gegen den wegen eines finanziellen Vergehens ermittelt wird. Betonen möchte ich hierbei, dass es sich um materiellen Schaden handelt, in der Summe um einen mikroskopisch kleinen, schier unmessbaren monetären Verlust für jeden einzelnen deutschen Bundesbürger, wenn man so will. Durchaus ein Anlass für Entrüstung, die ob der gigantischen, ungleich größeren Summen im nationalen Finanzreservoir und vor allem angesichts verschwenderischer, unsinniger Ausgaben der Regierung aber zügig abklingen dürfte.

Ganz und gar nicht zügig jedoch klingen physische und vor allem psychische Schäden diverser Opfer von Körper- und Sexualstraftaten ab. Seien es Misshandlungen, Vergewaltigung, Mord oder andere Schandtaten dieser unsäglich dunklen Rubrik, die Narben bleiben meist ein Leben lang (sofern man nach einem solchen Verbrechen noch von einem Leben sprechen kann bzw. das Opfer noch am Leben ist). Ein Leben lang, das forderten auch einige realitätsfremde Populisten als Haftstrafe für Hoeneß in verschiedensten Social Media oder Internetforen, was in mir einerseits Wut und andererseits Unverständnis hervorruft, wo diese Verblendeten hier die Relation in Bezug auf das Strafmaß wägen. Fragen muss man das auch die Legislativen zahlreicher „Rechtsstaaten“ (inklusive Österreich), ein Begriff, der in diesem Zusammenhang stark an Bedeutung einbüßt. Allwöchentlich schlürfe ich kopfschüttelnd und appetitlos meinen Morgenkaffee, wenn ich davon erfahren muss, dass ein Kinderschänder lediglich für wenige Jahre hinter Gitter geht oder ein Serienvergewaltiger mit der ominösen Fußfessel Buße tun soll. Uli Hoeneß jedenfalls darf unter keinen Umständen in einem Atemzug mit solch gesellschaftlichem Abschaum genannt werden und das muss in Zukunft durch die richterlichen Gewalten im Zuge ihres Strafmaßes zum Ausdruck gebracht werden!

Kaum ein schlechtes Wort über den Verurteilten wird man aus den Reihen seiner beruflichen Familie, der des FC Bayern München hören. Der Trainer der ersten Mannschaft, die einst Uli Hoeneß selbst als berüchtigter Manager auf Vordermann gebracht hatte, Pep Guardiola, estimierte auf der Abschluss-Pressekonferenz vor dem Champions League – Rückspiel im Achtelfinale gegen den FC Arsenal den Gerichtsprozess als weitaus wichtiger als das bevorstehende Match, was ob des Wissens um die Fußballbesessenheit und den Erfolgshunger des Katalanen keineswegs einer Alltäglichkeit entspricht. Da Uli Hoeneß neben der Akzeptanz seiner Haftstrafe das Niederlegen seiner Ämter als Präsident und Aufsichtsrats-Vorsitzender beim Rekordmeister bekanntgab, werden diese allem Anschein nach nun durch die bisherigen Vertreter Karl Hopfner und Herbert Hainer neu besetzt, was für diese sicherlich eine große Herausforderung bedeuten wird. Denn Uli Hoeneß war nicht nur Präsident, Vorsitzender, Manager oder ein sonstiger Funktionär. Nein, er ist der Macher, das Gesicht des FC Bayern, eine Gallionsfigur, die seinesgleichen sucht.

Nicht in Vergessenheit geraten darf überdies sein stetes soziales Engagement, das sich all jene, die jetzt mit dem Finger auf ihn zeigen, vor Augen führen sollten. Nicht nur hat Uli Hoeneß die Rettung mehrerer Deutscher Fußball-Traditionsklubs vor der Insolvenz mit finanzieller Unterstützung initiiert, sondern auch die Dominik-Brunner-Stiftung (welcher beim Versuch, Kinder vor Schlägern zu schützen, selbst zu Tode geprügelt wurde) wird von ihm seit dem grausamen Vorfall 2009 als Vorsitzender gestützt. Ich möchte keineswegs Uli Hoeneß‘ Steuerbetrug herunterspielen oder mit seinen Guttaten egalisieren, am Ende des Tages jedoch sollte sein soziales Engagement, immer mit dem Ziel, Menschen zu helfen, nicht von einem Fehler überschattet werden, bei dem es sich um einen ohne Zweifel minder zu bewerteten Kapitalschaden handelt.

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