Drama im Theatre of Dreams

Was ist nur mit den „Red Devils“ los? Ist der Teufel doch eigentlich die Etikette vom Manchester United Football Club, sitzt ihnen der Beelzebub nun selbst im Nacken. Spiel für Spiel scheint er ihnen die Senkel zu verbinden, die Sohlen einzuseifen oder sonst noch welche Schnippchen zu schlagen. Dass diese Saison längst im Eimer ist, steht nicht zur Debatte, die Supporter sind traumatisiert. Die Chancen auf einen Titel? Man verkneife sich das Grinsen.

Es sei denn, man kommt aus Liverpool, präziser ausgedrückt dem Etablissement der Anfield Road entstammend. Dann nämlich dürfte die Welt zur Stunde mehr als in Ordnung sein, schoss man doch jüngst den Erzfeind mit einem saftigen 3:0 aus dessen Old Trafford. Was die „Reds“ von der Merseyside so frohlocken ließ, traf den großen Rivalen im Nordwesten Englands umso tiefer ins längst verwundete Herz. Manager Moyes ist angezählt und nicht nur die polemische Inselpresse betrachtet es als eine Frage der Zeit, bis man ihn aus dem „Theatre of Dreams“ jagt.

Wie es dazu kommen konnte, dass eine der renommiertesten Adressen des Fußballs einen derartigen Sturzflug hinlegt, daran scheiden sich die Geister, wenn auch nur unwesentlich. Die einen sagen, eine Ikone wie Alex Ferguson auf der Trainerbank sei so kurzfristig nicht zu ersetzen. Die anderen meinen, sein Ausscheiden aus dem Tagesgeschäft sei überhaupt nicht zu kompensieren und schon gar nicht von David Moyes. Ein Führungskomplex in Manchester also? Eine Art melancholischer Heldenverehrung mit Hang zur Selbstzerstörung? Durchaus Auslegungsmöglichkeiten um die höchst verkorkste Spielzeit zu begründen, doch auch die Qualitätsfrage muss man sich in ManU’s Führungsriege stellen. Der Prestigeclub, welcher einst die goldene Generation rund um Giggs, Beckham, Scholes und die Nevilles stellte, ist den Ansprüchen nach schlichtweg nicht mehr adäquat besetzt. Lässt die vorderste Front, in Namen Rooney, Mata und van Persie noch eine Weltauswahl vermuten, so hinken die defensiven Kickergreise Vidic, Ferdinand und Evra, eskortiert von Champions League-unreifen Jungspunden wie Cleverley und Jones sowie des unrentablen Millionentransfers Fellaini deutlich hinterher. Befand man sich kürzlich noch im Feinkost-Sortiment des europäischen Clubfußballs, ist nun an einen Vergleich mit filigrantechnischen Köstlichkeiten à la Barca, Real oder Bayern gar nicht zu denken.

Geträumt werden darf unterdessen bei den anderen, bei der Elf des FC Liverpool. Nach Jahren gelebter Fußballaskese hielt die verlorengegangene Spielkultur endlich wieder Einzug an der Anfield Road. Zur Freude einer der leidenschaftlichsten, besessensten Fangemeinden sowohl dies- als auch jenseits des Fußallmutterlandes, spiegelt sich diese Renaissance auch in den Ergebnissen wieder. Es ist eine dynamische, angriffslustige Truppe, die sich aktuell in der Spitzengruppe der Premier League reetabliert hat. Suarez, Sturridge und Sterling, um nur einige der im Vergleich zu ManUnited nicht minder klingenden Namen zu nennen, die rund um Leitwolf Steven Gerrard in dieser Saison schon einiges an Offensivfeuerwerken abgebrannt haben. Erstere beiden führen mit 25 bzw.18 Toren gar die Torschützenliste der teuersten Liga der Welt an.

Hätte David Moyes auch nur einen Angestellten mit einer solchen Torquote, wäre der Arbeiterclub und momentane Titelverteidiger wohl kaum auf dem peinlichen  7. Tabellenplatz wiederzufinden. In der Champions League schwant nach einem schockierenden Auftritt und damit verbundener 0:2 Hinspielschlappe bei Olympiakos Piräus zudem der endgültige Titelkollaps anno 2014 (mit Ausnahme des wenig aussagekräftigen Community Shields, welches gegen Wigan Athletic gewonnen wurde). „Ausgeträumt im Theatre of Dreams“, so oder so ähnlich, gewohntermaßen aber sicher auch harscher, könnte es in naher Zukunft aus den Britischen Sportblättern zu lesen sein, falls David Moyes nicht in der Lage ist, das Ruder rumzureißen und vieler Erwartungen nach seiner Aufgaben in Manchester entbunden wird.

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