Spanische Verhältnisse?

In Befürchtung, die Liga würde zwischen Bayern München und dem BVB und dem Rest der Mannschaften zu einer 2-Klassen-Gesellschaft evolvieren, hatten Verantwortliche des bayerischen Branchenprimus in jüngerer Vergangenheit den Terminus „Spanische Verhältnisse“ geprägt. Der Begriff fußt bekanntlich auf dem langweiligen Dominanzzustand der beiden Marktführer in der Primera División, Real Madrid und FC Barcelona, welche den Titel gefühlt seit Urzeiten unter sich ausmachen. Mittlerweile hat die Begrifflichkeit aber klar an Bedeutung verloren, schließlich beherrscht der FCB die deutsche Bundesliga aktuell nach Belieben, konnte jüngst den frühesten Meistertitel der Geschichte verbuchen. Sogar von „Schottischen Verhältnissen“ war die Rede, hält Celtic Glasgow dort schließlich nach dem Zwangsabstieg der verhassten Rangers nun bereits in der zweiten Saison das inoffizielle Monopol auf gerechtfertigten Berufsfußball und konnte es dem FCB in Sachen frühester Meistertitel aller Zeiten kürzlich gleichtun. In Spanien hingegen entspricht besagter Zustand ganz und gar nicht mehr der neusten Sachlage.

Zwar ist für die Madrilenen sowie die Blaugrana der Liga-Titel wie immer in Greifweite, nun hat sich aber auch eine dritte Macht an der Tabellenspitze dazugesellt. Atletico Madrid heißt das Team der Stunde, welches das langwierige Führungsduell um eine wesentliche Facette bereichert. Die Hartnäckigkeit der zweiten Macht aus der Hauptstadt kommt nicht von ungefähr, ist man immerhin auch in der Champions League unter den besten 8 Europas vertreten. Die Qualität der Rojiblancos ist also definiert, bleibt nur noch abzuwarten, wie langatmig die Truppe von Coach Diego Simeone ist und wie stark sie von Top-Torjäger Diego Costa abhängt.

Ebenso spannend gestaltet sich das Titelrennen in der Englischen Premier League. Gab es vor wenigen Jahren noch die berüchtigten Top 4 mit Man United, Chelsea, Liverpool und Arsenal, haben sich inzwischen zweifellos Tottenham Hotspur und vor allem das Ölscheich-Projekt um Man City im britischen Fußballadel etabliert. Im Gegensatz zum iberischen Triumvirat ist es auf der Insel aber nicht zwingend der Extraklasse der oft variierenden Leader geschuldet, wer denn am Ende thronen wird. Vielmehr scheint es so, dass jener Club mit den wenigsten Patzern letztlich Silberware in Händen halten wird, denn um über längere Phasen von der Spitze zu dominieren, sind die Leistungen der Topgruppe entschieden zu inkonstant.

Aus Sicht des neutralen Fußballfans ist das Ganze aber mehr als erfreulich, denn Spannung dürfte somit noch über lange Strecken gegeben sein. Quälendes Gähnen müssen währenddessen die Zuseher in Frankreich, Italien und Deutschland ertragen, wo sich kaum jemand von einem Führungswechsel zu sprechen traut bzw. die Meisterschaft ohnehin bereits entschieden ist. Vielmehr widmet man sein Interesse gar dem Abstiegskampf, der ob seiner Unvorhersehbarkeit oft mehr zu bieten hat. „Spanische Verhältnisse“ also? Das hätten die wohl gerne.

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