Meisterliche Lethargie

Kaum sind die Lorbeeren eingeheimst, werden die Zügel schleifen gelassen. Wenn nicht völlig aus der Hand gegeben. Was aus sportpsychologischer Sicht nur zu gut nachvollziehbar ist, stößt den nationalen Kontrahenten von Bayern München sauer auf. Selbst die eigenen Fans scheuen sich nicht, ihren Unmut über die dürftigen Darbietungen lautstark kundzutun, schließlich geht der Siegeswillen nach der vorzeitigen Titelfixierung scheinbar gegen Null.

Null stand jüngst auch des Öfteren auf dem eigenen Torkonto des Liga-Triumphators, was vor nicht allzu langer Zeit, als es noch um etwas ging, undenkbar schien. Verantwortliche anderer Clubs echauffieren sich, stellen die Verantwortungsfrage, sprechen von Wettbewerbsverzerrung. Aber ist es das? Kann man Fußballriesen die Verpflichtung auferlegen, jedem Gegner in jeder Phase der Saison die gleiche Herausforderung zu stellen? Muss ein Erfolgsverein, der in mehreren Wettbewerben um den Titel spielt, seine Leistungen verantworten?

Nein, abgesehen von der Rechtfertigung gegenüber den eigenen Fans muss er das nicht im Geringsten. Es liegt in der Natur des Geschäfts, ökonomisch zu agieren. Es ist nur allzu logisch, gegen Ende einer kräftezehrenden Saison seine Energien zu bündeln, sich auf das Wesentliche zu fokussieren, sprich auf Champions League und Pokal, wo die Trauben erst noch geerntet werden können. Der Einsatz unerprobter Perspektivspieler in der Liga unterliegt höchster Legitimität, denn wann, wenn nicht jetzt sollen diese ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen? Überdies muss festgehalten werden, dass es nicht alleine Bayern München obliegt, über den Ausgang eines Spiels zu entscheiden. Es ist jede einzelne Mannschaft für sich selbst verantwortlich, ein Match erfolgreich zu gestalten, sei es gegen den augenscheinlich übermächtigen Meister oder einen anderen Club, sei die Meisterschaft bereits entschieden, oder auch nicht.

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2 Gedanken zu “Meisterliche Lethargie

  1. Andreas schreibt:

    Da gebe ich dir zum großen Teil Recht. Leistungssteuerung ist, vor allem wenn man noch immer auf 3 Hochzeiten tanzt, und schon mehr als 45 Spiele in den Beinen hat, wichtig.

    Aber: einen Aspekt vergisst du eventuell:
    Vielleicht tun sich die Bayern selbst keinen Gefallen, wenn der Nimbus des „unbesiegbar seins“ verloren geht. Vielleicht ist es schwerer den Hebel wieder auf „jetzt zählts“ umzulegen, wenn man davor die Zügel schleifen ließ. Der Kopf beeinflusst die Beine. Und ob es dann so einfach ist, nächste Woche gegen Real zu sagen „jetzt spiel ma wieder gscheit“ ist äußerst fraglich.

    • Dass sich die Bayern mit der vorzeitigen Titelsicherung und dem einhergehenden Spannungsverlust selbst ein Bein stellen könnten, steht außer Frage. Dieser Aspekt fand in meinen Überlegungen natürlich seinen Platz, zumal das Thema medial auch ausreichend adressiert wird. Um den Beitrag aber prägnant zu halten, wollte ich diesen Schwenk bewusst vermeiden, schließlich könnte man weiterführend auch anschneiden, ob die Taktik Guardiolas vielleicht an seine Grenzen stößt, ob das 0:3 gegen Dortmund tiefere Ursachen hat oder schwerwiegende Folgen haben könnte, wie sehr das Kreativelement Thiago dem Team fehlt usw.
      Im Zentrum sollte letztlich stehen, ob sich ein Verein wie Bayern München eben bei der Konkurrenz für seine Leistungen zu verantworten hat.

      Um auf deine Überlegung zurückzukommen: Die Gefahr des Rhythmusverlusts besteht ohne Zweifel, aber wie man die Bayern kennt, werden sie, wenn es drauf ankommt, vermutlich den richtigen Hebel finden und wieder die erwarteten Topleistungen abrufen 😉

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