Rassismus, die Bürde des Sports

Im Fußball stellt es ein bekanntes und bekämpftes Problem, doch auch – was mir medial bis dato in dieser Form nicht begegnete – in der NBA stellt Rassismus ein schwerwiegendes Thema dar. Gründlichen Anlass dazu lieferte Donald Sterling, seines Zeichens Eigentümer der LA Clippers, überdies milliardenschwerer Immobilientycoon und trotz seines fortgeschrittenen Alters von 80 Jahren nicht müde werdend, seine Ablehnung gegenüber Menschen anderer Hautfarbe zu artikulieren oder es zumindest nicht zu verhehlen. „Du kannst mit ihnen schlafen, du kannst sie mit nach Hause bringen, du kannst machen, was du willst. Ich bitte dich nur, das nicht zur Schau zu stellen und sie nicht mit zu meinen Spielen zu bringen“, wird seine jüngste Aussage im Standard übersetzt zitiert. Mit „ihnen“ sind Farbige gemeint, gerichtet sind die Worte Sterlings an seine (Ex-) Freundin V. Stiviano, Model und in ihren frühen Zwanzigern, sowie selbst mexikanischer und afrikanischer Abstammung. Sie hatte auf der Social Media Plattform Instagram ein Foto mit Basketball-Legende Magic Johnson veröffentlicht. Für all jene, denen Magic Johnson aus dem Stehgreif kein Begriff ist: Er war in den 1980er Jahren eine der herausragenden Figuren der NBA und gilt als eine der unbestrittenen Allzeit-Granden des Sports. Seine Hautfarbe? – Sie erraten es.

Zwar muss die Identität des Sprechers jener skandalösen Aussage noch finalement verifiziert werden, da aber sogar US-Präsident Barack Obama während seiner Asien-Reise Zeit fand, dazu Stellung zu nehmen und sich klar auf Sterling bezog, dürfte sie unstrittig sein. Die Majorität der NBA-Spieler bilden übrigens Nicht-Weiße und auch im Fußball, um die Brücke zu meinem Stammmetier zu schlagen, sind Spieler mit dunkler Hautfarbe, egal welchen exakten Erbes, ein unverzichtbares Element, ein fundamentaler Bestandteil der Geschichte. Traurigerweise sind sie auch Bestandteil jener Entwicklung, dass Rassisten oder in ähnlichem Stile Nationalsozialisten als große Bürde des Sports ihr Podium finden, um ihr zu verabscheuendes Hirngespinst des Rassenhasses und der Rassenverschmähung zu propagieren und damit desaströsen Einfluss auf den Fußball üben. Wie eine Zecke klebt diese zu verachtende Ideologie an den Fersen von Profis und Amateuren, vor allem aber an jenen der Zuschauer.

Zu Häufe sind mir Szenen aus der Vergangenheit vor Augen, in denen dunkelhäutige Spieler aufgrund von Schmähgesängen bestimmter „Fan“-Gruppierungen in Tränen ausbrechen, aus Protest das Spielfeld verlassen, einen Spielabbruch fordern bzw. erzwingen – und das mit absoluter Berechtigung. Barca-Verteidiger Dani Alves zeigte jüngst demonstrative Coolness indem er eine auf ihn geworfene Banane schälte und abbiss, mit vollem Mund eine Ecke schlug und sich nach dem Match zynisch für die kulinarische Unterstellung bedankte. Via Twitter zeigte er sich später aber bedenklich ob der Gesamtsituation den Rassismus betreffend, wie neben vielen anderen Medien die Süddeutsche Zeitung berichtet. Nationale und internationale Sportbehörden reagieren auf derartige Vorfälle zumeist mit Zuschauerausschlüssen oder finanziellen Sanktionen für den betreffenden Verein, obwohl dieser eigentlich wenig dafür kann. Im aktuellen Fall in der NBA wird mit einem ähnlichen Szenario gerechnet, nur dass selbstverständlich verantwortlicher Donald Sterling zur Kasse gebeten werden wird. Ob ihn das finanziell juckt? – Wohl eher nicht. So oder so, mehr als Symptombehandlung ist die Verdonnerung zu Geldstrafen ohnehin nicht.

Der Kern des Problems wurzelt in der Gesellschaft. Wir neigen dazu, negative Attribute und Verhaltensweisen einer definierten ethnischen Gruppe zu attestieren, entledigen uns der Reflexion im Individualfall indem wir generalisieren. Auch wenn bestimmte (negative) Eigenschaften vermeintlich vermehrt auf Menschen einer bestimmten Herkunft zutreffen mögen (was uns Österreicher nicht ausschließt), das Recht, alle über einen Kamm zu scheren, gibt das längst nicht. Oftmals reicht gar die bloße Ausprägung eines äußeren Merkmals, wie eben die Hautfarbe, um Menschen zu diffamieren und eine Aversion gegen sie zu hegen.

Ich habe den Bezug zum Fußball nicht grundlos gewählt. Ich spiele selbst auf gutem Amateurniveau , in einem Umfeld ohne notorisch aggressiver Fanbasis oder offenkundiger Vertretung zweifelhafter Werte. Dennoch sehe ich mich vermehrt mit rassistischen Aussagen konfrontiert, was mir, obwohl ich mich persönlich nicht adressiert sehe, zutiefst widerstrebt. Ob in gegnerischen Lagern oder mannschaftsintern, auf dem Platz oder abseits, nicht selten fallen abfällige Kommentare über Gegenspieler oder sogar Mitspieler mit anderern Wurzeln oder anderer Herkunft, im Speziellen anderer Hautfarbe. Zu Teilen spielt sich das in einer amikalen Relation ab, umfasst schlicht Sticheleien, die umgekehrt Einheimische genauso treffen. Alles mit einem zwinkernden Auge, bloße sportliche Frotzeleien. Nicht selten steckt aber auch mehr dahinter, zu oft wird die Grenze überschritten. Bedingt durch erheblichen Mangel an intellektueller Substanz, schlichter Primitivität oder tatsächlich böser, rassistischer Absicht, unterm Strich steht eine Aussage, die verletzt, eine Beleidigung, ein Ausdruck von Hass. Nun wird aber nicht wegen jeder fragwürdigen Bemerkung der behördliche Finger gerührt und sanktioniert, zumal rassistische Äußerungen meist innerhalb geschlossener Kreise stattfinden und auf Resonanz stoßen. Nein, es liegt am Einzelnen. Am Einzelnen unter uns, in die abwertende Weltanschauung nicht einzustimmen, sie auch nicht zu ignorieren. Sie nicht als Lappalie abzutun, nicht leichtfertig zu glauben, die Betroffenen könnten schon damit umgehen, wie etwa Dani Alves es demonstrativ zur Schau stellte. Selbst bei einem rassistischen Witz nicht müde zu lächeln, nur um den Erzähler nicht vor den Kopf zustoßen. Denn genau dessen benötigt es vielleicht, vor den Kopf gestoßen zu werden, um zu erkennen, dass Rassismus untragbar ist. Gegenwind von Mitmenschen, Mannschaftskameraden, sportlich Gleichgesinnten, der Gesellschaft – denn dieser geht dem Mensch am nähsten, eben genauso wie bei rassistisch motivierten Handlungen.

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