Italiens Anti-Ad

Dank progressiven Zuschauerschwunds hört man auf den Rängen in Italiens Serie A seit geraumer Zeit die Grillen zirpen. Die Tickets sind teuer, die Spiele schlecht. Dominiert wird die Liga von einer Mannschaft, die sich als unfähig erweist, ins Finale der Europa League im eigenen Stadion einzuziehen. Die italienische Nationalmannschaft, vor fast acht Jahren noch den Weltmeisterpokal in die Höhe reckend, zählt längst nicht mehr zum Feinsten, was der Fußball zu bieten hat. Lediglich Außenseiterchancen werden der Squadra Azzurra bei kommender WM eingeräumt.

Zu allem Überfluss stimmen nun auch die Tifosi unisono in den Abgesang ihres heißgeliebten Calcio ein. Beim kürzlich ausgetragenen Finale der Coppa Italia kam es zu Ausschreitungen, die im Land von Pizza, Pasta und Palaver seinesgleichen suchen. Krawalle rivalisierender Fangruppen des SSC Napoli und AC Fiorentina veranlassten im Vorfeld einen Mann, via Schusswaffe in die Menge zu feuern. Von den drei verletzten Anhängern Napolis schwebt einer immer noch in Lebensgefahr. Der Anpfiff wurde verzögert, die Ausschreitungen zum eigentlichen Spektakel. (u.a. Die Zeit berichtet)

Was in der Werbebranche als Anti-Ad oft wirksam erscheint, dürfte die sportliche Popularität des Stiefels kaum steigern. Dass Topspieler mittlerweile die Trauben eher in Spanien, England, Deutschland oder gar Frankreich hängen sehen, ist wenig verwunderlich. Einstige Sahne-Adressen aus der Lombardei duellieren sich aktuell um die geringere Häme, von Titeln darf keine Rede sein. Wettskandale taten das ihre und zeigen sich zudem als Unkraut erkenntlich, das noch lange nicht vollends gejätet wurde. Nationale Stars haben zu großen Teilen ihren Zenit passiert, die hauseigene Talentschmiede bringt aber bei weitem keine Maldinis, Pirlos oder Tottis mehr hervor, was den Blick in die Zukunft nur noch düsterer gestaltet. Trauriger Höhepunkt bleibt dennoch jüngster Vorfall rund ums Pokalfinale. Es ist eine weitere Strophe der Untergangsarie – einerseits. Andererseits auch ein Denkzettel, wozu der Sport nicht genutzt werden darf: Als Ventil für bürgerliche Unzufriedenheit und Aggression, sowie Bildfläche für Idioten, die diese auf so drastische, stupide Weise zum Ausdruck bringen. Das Match gewann übrigens Napoli mit 3:1.

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