Protz und Knauserei

Kaum haben die Vereine im Fußballzirkus ihre Ticketboxen geschlossen, öffnet das Kuriositätenkabinett seine Pforten. Den Anfang macht die Nationalmannschaft des Iran. Sportlich privilegiert, sich für die kommende WM-Endrunde qualifiziert zu haben, sorgte der nationale Verband mit einem Trikot-Tausch-Verbot für Aufsehen und Aufregung. Offenkundiger Grund sind Sparmaßnahmen, weshalb die Spielkleidung sorgfältig gewaschen und wiederverwendet werden muss. Aktuell befindet sich die Mannschaft, die nicht im Geringsten verdächtigt wird, die Gruppenphase (Gegner: Argentinien, Nigeria, Bosnien und Herzegowina) zu überstehen, im Vorbereitungscamp in der Steiermark. Residiert wird zur Zeit im Balance Resort Stegersbach, der günstigste Zimmerpreis beläuft sich pro Nacht auf knappe 140 Euro pro Person, das entspricht etwa dem doppelten Preis eines originalen Iran-Trikots. Angesichts bevorstehender Flug-Odyssee nach Südamerika und der dortigen Unterbringungs- und Verpflegungskosten für 23 annehmbar hungrige Kicker exklusive Betreuerstab darf man den Verantwortlichen durchaus unterstellen, an der falschen Stelle gespart zu haben.

Weniger geknausert wird zweifellos in Frankreich, genauer noch in Paris. Dort machten die notorischen Prasser-Scheiche dieser Tage kolportierte 50 Millionen Euro locker um Woll-Haupt David Luiz vom FC Chelsea loszueisen und zu PSG zu transferieren (Rekordsumme für einen Verteidiger). Dem Protz gegenüber steht das nord-spanische Eibar, wo man wohl mehr wie drei Kreuze machen würde, hätte man auch nur annähernd einen solchen Geldbetrag in den Taschen. Sensationell schaffte der dort ansässige Club SD Eibar den Aufstieg in die Primera División, aufgrund klammer Kassen musste man jedoch umgehend einen Spendenaufruf starten, um den Pflichtetat von 2,1 Millionen Euro zu berappen und den Traum der baskischen 27.000-Seelen-Stadt nicht wegen eines finanziellen Engpasses platzen zu lassen.

Mit monetärer Insuffizienz muss man sich bei RB Leipzig mit ziemlicher Sicherheit nicht herumschlagen, die Promotion gen Liga 2 verlief dennoch alles andere als glatt. Alsbald das sportliche Soll erfüllt war, ging der Statuten-Hickhack los. Der Einfluss des Dosenkonzerns war der DFL offensichtlich ein zu großer Dorn im Auge, überraschend einfach war daher des Problems Lösung in Form des marginalen Umdesignens des Vereinslogos. Selbstverständlich muss auch noch an so mancher struktureller Stellschraube gedreht werden, doch auch die Vermutung, so manch ominöses Geldpaket aus dem Hause eines sehr betuchten Österreichers könnte seinen Weg ins Nachbarland gefunden und das Seine getan haben, steht möglicherweise nicht völlig unberechtigt im Raum.

Sei es so gewesen oder nicht, spekuliert werden wird vermutlich noch so einiges im anstehenden Fußballsommer. Ob erneut schwindelerregende Geldbeträge den Ärmelkanal passieren, vielleicht ein abhanden gekommenes Geldpaket gnädigerweise den Weg ins klamme Baskenland findet und was passiert, wenn Ashkan Dejagah oder Daniel Davari ihr Trikot zu heiß waschen – die kommenden Wochen werden es zeigen.

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