Bitte kein Remis!

Die Niederlande sind durch, die USA müssen ihren Husarenstreich erst noch vollbringen, um sich ebenso in der K.o.-Phase wiederzufinden. Die Trainer beider Nationen, Louis van Gaal und Jürgen Klinsmann eint eine ehemalige Station in ihren Karrieren und zwar jene auf der Bank des FC Bayern. Ob es an den Folgen des dazumal erdrückenden Erfolgsdrucks liegt, dass die Fußballlehrer nun, als Nationaltrainer bei der WM bereits im Vorhinein Ausreden für die jeweils anstehenden Partien suchten, ist wohl nur schwerlich nachzuweisen.

Tulpengeneral van Gaal sorgte jedenfalls für Aufsehen, als er meinte, Brasilien könnte sich aufgrund der späteren Anstoßzeit aussuchen, ob es in der Folge gegen Chile oder eben die Niederlande spielen möchte. Abgesehen davon, dass weder die bissigen Chilenen noch Van Gaals taktisch revolutionierte Truppe als Wunschgegner gelten, steht die Elf des Gastgebers ohnehin der immensen Erwartungshaltung gegenüber, jedes Spiel gegen jeden beliebigen Gegner hoch gewinnen zu müssen, um unterm Strich ja nicht weniger als den Titel zu holen. Sich in Aussicht auf ein Achtelfinal-Duell mit dem vermeintlich Wunschgegner im dritten Gruppenspiel gegen die Defensivdilettanten aus Kamerun einen Lapsus zu leisten, wäre also mehr als idiotisch gewesen. Der finale 4:1-Sieg der Selecao gibt dem Recht.

Der schwäbische Sunny Boy vom Huntington Beach, Klinsmann, mokierte hingegen die Festsetzung der Spielorte während der Gruppenphase. Man habe die weitesten Reisewege zu bestreiten, weshalb für den US-Coach naheliegt, dass die Fifa alles tue, um die „großen Favoriten“ zu bevorteilen. Beim bisherigen Turnierverlauf stellt sich zum einen die Frage, wer denn die großen Favoriten überhaupt sind. Denn einige, die man für eben jene hielt, sehen sich den zweiten WM-Abschnitt bereits im eigenen Wohnzimmer mit an. Zum anderen steht „USMNT“ weitaus besser da, als man es sich in den Staaten erhoffen durfte, mit einem Remis gegen Deutschland könnte man sich in die verbleibenden 16 erheben. Überdies standen die Spielorte bereits vor der Wahl des Teamquartiers fest, dieser Schuss geht also geradewegs neben das Tor.

Dass das Entscheidungsmatch ausgerechnet gegen „Klinsis“ ehemaliges Team stattfindet und ihm ein freundschaftliches Verhältnis zu deren Coach Joachim Löw nachgesagt wird, gibt nicht wenigen Anlass, die nächste Verschwörungstheorie in den Raum zu stellen. Ginge das Duell nämlich pari aus, würden sich beide fürs Achtelfinale qualifizieren – eine Absprache böte sich an. Unabhängig der Schwierigkeit und unsäglichen Anspannung, sich 90 Minuten lang zu einem Gleichstand zu manövrieren, darf man von den Handelnden am Feld durchaus sportliche Integrität erwarten. In der Hoffnung, künftige Verschwörungstheorien mögen nicht mehr so leichtfertig zustande kommen, sollte diese Partie also tunlichst jemand für sich entscheiden!

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