Kühler Kopf

Nur die wenigsten WM-Spieler lassen ihre ausgepumpten Beine noch im Eiswasser baumeln, um die Strapazen der brasilianischen Kickerodyssee vergessen zu machen, da kippen sich andere schon die bitterkalte Aggregatzustandskombination kurzerhand über die Birne. Im Gegensatz zu vergangenen Nominierungsspielen via Facebook macht der Onlinetrend „Ice Bucket Challenge“ jedoch tatsächlich Sinn, soll er doch Bewusstsein für die Nervenkrankheit ALS schaffen und obendrein zum Spenden für die Erforschung eben jener Krankheit anregen. Vorgänger à la „eine Halbe Bier auf ex kippen, sonst…“ entbehrten dagegen jeder Sinnhaftigkeit, danke für keine Nominierung!

Ob das Wolfsburgs frisch präsentierter Neuzugang Nicklas Bendtner genauso sieht, ist weder bestätigt noch widerlegt. Eine veritable Trinkfestigkeit aber darf ihm aufgrund offenkundiger Alkoholexzesse durchaus unterstellt werden. Die Gründe der Verantwortlichen des Vfl, den Stürmer gegen den FC Bayern im Bundesliga-Eröffnungsspiel noch nicht aufzubieten, sollten in gutwilliger Vermutung dennoch sportlicher Natur sein. Auf dem Trikot strahlt die für einen Stürmer eher ungewöhnliche, angeblich von seiner Mutter auserkorene Rückennummer drei. Böswillige Unterstellungen, Lord Bendtner könne schlicht nicht weiter zählen, dürfen in höflicher Gesinnung in die lange Reihe bestehender Witze über den dänischen Skandalprofi verwiesen werden. Wer hingegen die Lizenz zur Mitgestaltung einer Sensation am Schauplatz Allianz Arena erhielt, war Junior Malanda. Dem jedoch wollte es nicht gelingen, kühlen Kopf zu bewahren, bugsierte einen von der Querlatte zurückprallenden Ball völlig freistehend vorm leeren Bayern-Tor per rechter Kniescheibe neben das Ziel. Man meinte fast, Gelächter von den Rängen zu vernehmen. Vertreter verschiedenster Sportmedien hingegen verkündeten daraufhin schon jetzt seinen Fixplatz in diversen Saisonrückblicken, die 1:2 Niederlage macht das aber nicht mehr ungeschehen.

Zu sehr sollte sich der junge belgische Unglücksrabe jedoch nicht grämen, machte es das Gros der anderen vermeintlichen Bayern-Jäger schließlich auch nicht besser. Schalke sowie Nachbar Dortmund patzten zum Auftakt, letztere empfindlich gegen den unmittelbaren Konkurrenten in der Ligaspitze, Leverkusen. Deren Coach Roger Schmidt dürfte einigermaßen überrascht gewesen sein, dass sein in alpiner Fußballperipherie ausgereiftes Tempo-Konzept derart schnell einschlug, sprich Karim Bellarabi nach nur neun Sekunden vor der gelben Wand zum schnellsten Tor der Ligageschichte einnetzte. Schmidts Nachfolger in Salzburg, Adi Hütter, hat mit seinem Team neben dem scheinbaren Selbstläufer Liga den Beweis noch zu erbringen, im Konzert der Großen mitspielen zu können. Die alles entscheidende Möglichkeit dazu bietet sich in Bälde, wenn in Malmö der Champions-League-Einzug erstmals fixiert werden soll. Die Stimmung vor der Partie ist nicht nur wegen schwedischer Presse-Fauxpas angespannt und aufgeheizt. Als offensichtlich gereizt antizipiert man auch die Reaktion der heimischen Fans auf des Gegners Dosenfabrikat, sodass jegliche Energy-Drinks des Hauses Red Bull kurzerhand aus dem Swedbank Stadion verbannt wurden (link). Einen kühlen Kopf zu bewahren könnte der Weisheit letzter Schluss werden im Süden von Sverige – eventuell sollte man den ein oder anderen Kübel Eiswasser bereitstellen.

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