7-5-3 alles ist vorbei

Hallelujah! Sieben Tore „empfangen“ und ein Gebot zu lernen: Lege dich nicht mit den Bayern an! Diese Lektion hatten die Ungläubigen unter dem Wappen von Romulus und Remus zu lernen als die bayerischen Kreuzritter ihren fußballmissionarischen Feldzug in der ewigen Stadt gipfeln ließen. Ohne Erbarmen aber mit teuflischer Effizienz schlug es im Netz hinter Roma-Keeper de Sanctis ein, dem sein heilig anmutender Name wenig himmlischen Beistand bescherte. Neben systematischer Offensiv-Rochade, erbarmungslos konsequenter Defensivarbeit und einer verheerend humorlosen Chancenverwertung war es auch die Naivität der Italiener, die dieses Ergebnis auf die Anzeigetafel zeichnete. Feuer mit Feuer bekämpfen zu wollen, Gegentor um Gegentor postwendend ausgleichen zu wollen ohne das labile Defensivkonstrukt auch nur nuanciert zu verstärken war der schwerwiegende Schritt auf den Holzweg, der vor der anfangs überragenden Fankulisse in ein Heimdebakel führte. Diese war für eine hiesige Reporterin gar Anlass genug, David Alaba zu fragen, ob die ambitionierte Performance auf den Rängen etwa Mitleid ausgelöst haben könnte, den Römern im übertragenen Sinne nicht derart trocken und oft einzuschenken. Mitleid? Das verdutzte Gesicht unseres Vorzeigekickers sprach Bände über die sportjournalistische Qualität dieser Frage.

Mehr Freude dürfte dem bekanntlich gläubigen Alaba der Papst-Besuch Tags darauf beschert haben. Ob das mit „Franziskus“ und der Rückennummer 1 beflockte Bayern-Trikot den himmlischen Support vom Vortag rechtfertigen konnte, sei dahingestellt. Unterm Strich waren es 7 Tore, 5 davon zur Halbzeit und satte 3 Punkte – Mission Rom erfolgreich.

Ob der FC Arsenal seine Mission Anderlecht als ebenso erfolgreich verbucht, ist unklar. Die 3 Punkte wurden von der UEFA zwar mit identischem Gegenwert und gleichermaßen unverzinst aufs Konto der Nordlondoner überwiesen, die Transaktion verlief aber ungleich stockender. Erst in den letzten beiden Spielminuten legte man die Skrupel ab, eben doch drei Punkte aus Belgien zu entführen und Coach Arsène Wenger einen fröhlichen Fünfundsechzigsten zu bescheren. Lieferant der Torte war ausgerechnet Lukas Podolski, der jenseits der Outlinie nicht müde wird, seine Reservistenrolle zu beklagen. Hin oder her, der entscheidende Treffer in letzter Minute gelang und man konnte die Drei-Zähler-Differenz zu Borussia Dortmund aufrecht erhalten.

Die gaben sich weitaus weniger Blöße, dem konfusen Defensivverbund Galatasarays jedoch Aufschluss, wie man Lücken definiert und ausnutzt. Vier Mal Ekstase ergibt einen souveränen Auswärtssieg und lässt die nationale Flaute kurz vergessen. Mats Hummels veranlasste das zu einem Post-Match-Selfie mit zufriedener Miene. Spätestens nach dem Besuch von Hannover 96 im Signal-Iduna-Park dürften sich die Mundwinkel wieder gelegt haben.

Reviernachbar Schalke 04 schloss sich der Berg- und Talfahrt an. Zuerst eine verrückte Heimpartie gegen Sporting Lissabon mit mehrmaligem Führungswechsel, die durch einen mehr als geschenkten Handelfmeter für Königsblau entschieden wurde. Was den Torrichter veranlasste, derart unnötig in das Spielgeschehen einzugreifen und sich die Woche zu vermiesen, wusste er nach dem verlassen des Rasens wohl selber kaum. Sporting legte übrigens Protest ein, die Vergangenheit lehrt uns jedoch, dass die Chancen auf ein Wiederholungsspiel oder die Auszahlung der Prämie für ein Unentschieden nicht unbedingt auf „sehr wahrscheinlich“ gepolt sind. S04 war’s egal, Chupo-Moting ließ die Maschen zappeln. Friede, Freude, Eierkuchen? Wohl kaum auf Schalke. Anlass war das Vieraugengespräch zwischen Huntelaar und Chupo-Moting, sprich der Zweierschütze luxte dem Einserschützen das Leder ab – und verwandelte. Dass die Frage aufkam, warum und wieso, und ob doch nicht Huntelaar der eigentliche Schütze wäre, hätte Neo-Coach di Matteo nicht derartig auf dem falschen Fuß erwischen dürfen. Die Erklärung, es gäbe zwei Einserschützen in der Mannschaft, glauben ihm nicht einmal die Spieler  der U9. Auf das wiederholte Nachhaken der Reporter die PK zu verlassen, trägt bekanntlich nicht zum Hausfrieden bei, schon gar nicht im Krisenherd Ruhrpott. Ob diese Aktion verantwortlich zeichnete, im folgenden Ligaspiel gegen Leverkusen nicht zu reüssieren? Das darf sich der Trainer nun höchstpersönlich fragen.

Gegner Bayer 04 jubelte jedenfalls, feierte den psychisch offensichtlich bestens erholten Siegtorschützen Hakan Calhanoglu, der noch in selbiger Woche für den Golden Boy – Award als bester U21-Spieler Europas nominiert wurde. Ob Medikamente aus der Bayer-Produktion ihren Teil dazu beitragen konnten, fand nicht den Weg ins öffentliche Gemeinwissen. Und auch wenn diese News nach einer Oase der Glückseligkeit anmuten, brennt es am anderen Ende des Werks. Satte 16 Millionen Euro hat der Verein nämlich Gläubigern seines einstigen Trikotsponsors Teldafax nach dessen Konkurs rückzuerstatten. Da beruhigt es das Gemüt doch ein wenig, dass zumindest der Fußballabteilung das Glück hold ist und man Zenit St.Petersburg mit leeren Koffern zurück in kyrillische Sphären entließ. Dass man beim Oligarchenclub über eine Summe von 16 Millionen nur mit einer Schulter zuckt, lässt sich folglich leichter verdauen. Kyrillisch geschrieben wird ebenfalls in Donezk, auch wenn das Starstürmer Luiz Adriano vielleicht nicht versteht. Was er versteht ist das Toreschießen, gleich fünf mal konnte er diese Begabung beim 7:0 in Borisov untermauern. Eine solche Performance löst gelegentlich einen veritablen Run auf die getragene Spielkleidung aus – auch wenn die Weißrussen die Partie auch ohne materielles Andenken in Erinnerung behalten dürften.

Einen Rüffel von Coach Rodgers holte sich hingegen Skandalnudel Mario Balotelli ein. Der konnte es nämlich nicht erwarten mit Frère Terrible Pepe schon in der Halbzeit die Trikots zu tauschen. Den brasilianischen Portugiesen mit cholerischer Veranlagung hat das wenig irritiert, siegte mit seinem Real ungefährdet an der Anfield Road und traf im zeitnahen Clasico gegen den katalanischen Erzrivalen eigens per Kopf zur 2:1-Führung, die man noch um ein Tor auszubauen vermochte. Durchaus königlich die Form des weißen Balletts. Himmlisch aber erst dann, wenn auch von ihnen ein Trikot in der Vitrine des aktuellen Papstes Franziskus hängt.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Blog-Projekts am Institut für Journalismus & Medienmanagement an der FHWien der WKW entstanden.

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