Advent, Advent

Advent, Advent, Dortmund brennt. Und wie. Was der gemeine bayerische Feuerteufel oder der königsblaue Schadenfreund einst gern gesehen hatten, ruft nun sogar bei ihnen Mitleid hervor. Als teuerster Absteiger in spe lässt man sich noch nicht abtun, doch der Kampfgeist schwindet und Resignation umhüllt die schwarz-gelbe Seele. Echte Liebe? Nun ja, solange die Punkte geliefert werden schon. Spätestens in Frankfurt aber wurde die Leidensbereitschaft der Anhänger überstrapaziert, die Würdigung ging über den gereckten Mittelfinger nicht hinaus. Recken konnten sich auch Thomas Schaafs rot-schwarz Bestreifte, aus Entspannung. So einfach war es in jüngerer Vergangenheit selten, eine europäische Topmannschaft punktlos nachhause zu retournieren.

Europäische Topmannschaft? Ja, das sind sie immer noch, die Dortmunder. Zwar unter der Woche den Gunners aus Nordlondon unterlegen, steht man dennoch bereits fix im Achtelfinale. Dort, im Theater der Großen, läuft es. Man hat nichts zu verlieren, Abstieg ausgeschlossen, keine Pflichten, sondern nur den Bonus, sich in die Auslage zu spielen. Die Tagesarbeit Bundesliga, sie erscheint als Pflicht. Und auch wenn es in Westfalen nie jemand zugegeben würde: Das eine Prozent fehlt. Dieser letzte Schritt, der weh tut. Den letzten Meter, denn man machen muss, auch wenn man weiß, dass er vielleicht nichts bringt. Die Leidensbereitschaft ist eben wie jene der eigenen Fans nicht mehr die gleiche, wie noch in vergangenen Jahren. Natürlich will man. Natürlich kämpft man. Grätscht, beißt, fightet. Jetzt, weil man muss. Der Ursprung des Desasters fußt in den Kinderschuhen dieser Saison, als man versuchte, so weiterzuspielen, wie davor. Mit einer  polnischen Weltklasse-Neun als Kopf einer ekstatischen Offensive. Letaler Konterfußball, der erlaubte, die temporäre Lückenaffinität der auch in der Vergangenheit schon nicht sattelfesten Defensive zu egalisieren. Mit Herzschrittmacher Reus, der dazumals noch länger als  eine Handvoll Partien fit zu bleiben vermochte. „Unglücklich“ sagen die einen, „mangelnde Kaderbreite“ die anderen. Und beide haben sie recht. Mit Reus‘ Krankenakte kann mittlerweile wohl nur noch Arjen Robben konkurrieren. Genau dessen Klub ist es, der den Platz an der Sonne hat, wieder mal. Und genau dieser Verein ist es, wo auch die einstige Torgarantie der Dortmunder mittlerweile kickt. Und auch dieser Verein ist es, der nicht weniger herausragende Spieler zu ersetzen hat als Borussia Dortmund, in der Quantität gar noch stärker betroffen. Aber auch dieser Verein ist es, der diese Ausfälle aufgrund außerordentlicher Kaderbreite- und Tiefe kompensieren kann. Wirtschaftliche Stärke sagen die einen. Die anderen recken den Mittelfinger.

Wer ko, der ko. Und der ko, der ko auch in Manchester mal verlieren, ohne dass etwas zu Bruch geht. Eher im Gegenteil: Gut Siebzig Minuten in Unterzahl, schaffte man es dennoch eine nicht wesentlich kostengünstigere Personaleinheit in himmelblau zu kontrollieren, zwischenzeitlich die Partie gar zu drehen. Einheit ist ein sehr dehnbarer Begriff, das wurde im Etihad Stadium untermauert. Die Darbietung des bayrisch-katalanischen Symphonieorchesters erklärte auf spielende Weise wie ein Uhrwerk funktioniert, während auf Seiten Citys die Uhr tickte. Erst Xabi Alonso und Jerome Boateng unterbreiteten das Angebot lebenserhaltender Maßnahmen, welches Sergio Agüero gar mehrmals dankend unterschrieb. Passiert ist nichts, die Bayern sind immer noch vorzeitiger Gruppensieger und ManCity hat das Ticket für die letzten 16 immer noch nicht gebucht. Aber wer ko, der ko halt.

Wer auch ko, ist der FC Chelsea. 5:0 am Grün, 3:0 im englisch-deutschen Duell. Besonders empfindlich wohl für Chelseas Ex-Coach Di Matteo, der aus den Schalker Eigenheiten wohl auch noch nicht der Weisheit letzten Schluss ziehen konnte. Versucht hat es Christian Fuchs. Er bemängelte das System des Trainers, attestierte einem Journalisten eine „gute Frage“ als dieser wissen wollte, warum man denn nicht auch in der Champions League das aus der Bundesliga erprobte 3-5-2 angewandt hatte. Christian Fuchs hat aber auch noch nicht die Champions League gewonnen – Schuster, bleib bei deinen Leisten. Selbigem Argumentationsmuster verfiel Manager Horst Heldt, der nach Kritik vom Ex-Schalke-Staubsauger Jermaine Jones quer über den großen Teich gereizt aber gespielt cool seine bisherigen Erfolge auflistete wie beim ersten Referat. Man wünsche eine besinnliche Zeit!

Adventlicher ging es auch in Leverkusen nicht zu. Wie man gegen Monaco punktlos blieb, weiß man sicherlich auch heute noch nicht, dafür aber wie man ein Derby gewinnt. Im Trainer-Duell des ehemaligen Wahl-Österreichers Roger Schmidt und des originalen Peter Stöger fing der Adventkranz Feuer. Zuerst verwehrte Schiri Kinhöfer den Kölner Gästen Elfmeter Nummer zwei und Gelb-Rot für Keeper Leno, das erste Lichtlein brannte bei Peter Stöger. Nach der Pause drehte Bayer auf und das Spiel um. Calhanoglu mit Kunstschuss entzündete Kerze Nummer zwei. Den dritten Advent besang Leverkusen mit dem 5:1, ehe Roger Schmidt Kerze Nummer vier und irgendwie den ganzen Kranz entflammte. Wenn er einen Fußball spielen ließe, wie Köln das täte, würde er kein Trainer sein wollen. Wenn er Trainer des 1. FC Köln wäre, dann könnte er aber vermutlich auch nicht so einen Fußball spielen lassen, wie das eben Leverkusen tut. Und hätte Kinhöfer korrekt auf Gelb-Rot und nochmals Elfmeter entschieden, hätte man wohl auch nicht 5:1 gewonnen und dann würde er vielleicht ein bisschen weniger gern Trainer sein wollen. Hätte, hätte, Fahrradkette. Stöger hielt richtigerweise fest, dass man sich Respekt am Transfermarkt nicht kaufen könne (nein, kann man wirklich nicht, ich hab‘ nachgeschaut) und zündete zuhause vermutlich eine Kerze an. Aber nur eine, denn: Advent, Advent, erst die erste Kerze brennt.

Advertisements

2 Gedanken zu “Advent, Advent

  1. „Aber auch dieser Verein ist es, der diese Ausfälle aufgrund außerordentlicher Kaderbreite- und Tiefe kompensieren kann. Wirtschaftliche Stärke sagen die einen. Die anderen recken den Mittelfinger.“
    Ich bin bekloppt und recke deshalb auch den Mittelfinger. Nur der BVB ❤

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s